Digitalisierung

„Big Data im Gesundheitswesen“ - internationaler Workshop diskutiert Chancen und Risiken

März 2020

In der aktuellen Digitalisierungsdebatte zählt „Big Data“ (also „Massendaten“) zu einem der prominentesten Schlagworte – nicht zuletzt, weil mit Big Data eine Vielzahl an Fragen etwa hinsichtlich Nutzen, Datenschutz und möglichem Missbrauch verbunden sind. Nicht nur in Deutschland wird versucht, angemessene Antworten auf diese Fragen zu finden. Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) und der GKV-Spitzenverband haben daher Anfang dieses Jahres 30 Repräsentantinnen und Repräsentanten aus 15 Ländern nach Berlin eingeladen und sich in einem Workshop mit den verschiedenen Facetten dieser Thematik befasst.

Die Digitalisierung bringt immer mehr Daten hervor und so scheinen sich schier unendliche Möglichkeiten zu eröffnen, den „Rohstoff Daten“ auch zu nutzen. Aber ist „big“ auch immer gleichzusetzen mit „besser“? Big Data sind von erheblicher Bedeutung z. B. für die „personalisierte Medizin“ oder auch für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz im Gesundheitswesen. Aber auch im Privatanwenderbereich können sie einen Mehrwert haben, etwa indem sie helfen, persönliche Lebensgewohnheiten positiv zu beeinflussen. Aber wie muss mit dem Potenzial von Big Data auf institutioneller Ebene umgegangen werden?

Big Data zwischen Machbarkeit, Nutzen und Datenschutz

Für die Systeme der sozialen Sicherheit stellt sich diese Frage in besonderer Weise: Wo liegt die Grenze zwischen Machbarkeit und realem Nutzen für eine bessere gesundheitliche, aber auch administrative Versorgung von Versicherten? Wie können die Systeme ausreichend gegen Missbrauch wie Profiling, Diskriminierung und informationeller Ausbeutung geschützt werden, damit eine vertrauenswürdige Infrastruktur entsteht, die verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert mit diesen Daten umgeht? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des internationalen Workshops. Weitere Themen, die intensiv diskutiert wurden, waren etwa Fragen der Governance und Bereitstellung öffentlicher Datenressourcen, Aspekte der technischen Standardisierung und der Interoperabilität sowie methodische Probleme bei der Evidenzgewinnung aus Beobachtungsdaten.

Teilnehmende des Workshops

Der Workshop der IVSS bot hierbei den Teilnehmenden eine hervorragende Möglichkeit, sich im Spektrum internationaler Aktivitäten einen Eindruck von Gemeinsamkeiten in den Problemstellungen und erfolgreichen Lösungsansätzen in der Verwendung von Big Data im Gesundheitswesen zu verschaffen. Pragmatische gesellschaftliche Datenstrategien (wie in Finnland) oder elaborierte Infrastrukturen für Gesundheitsdaten (wie in Süd-Korea) boten imposante Einblicke. Auch politisch-ethische Aspekte sowie Anwendungen der Künstlichen Intelligenz wurden berücksichtigt.

Die diversen Fallbeispiele wurden flankiert durch Beiträge der Weltgesundheitsorganisation und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eine wichtige Quintessenz des Workshops ist sicherlich die Bedeutung der Vernetzung und des Austauschs im gemeinsamen Lernprozess; denn die aktuelle Digitalisierungswelle mit ihren Neuerungen ist im Wesentlichen eine Welle der intensivierten Vernetzung und Kommunikation, auch zugunsten der Versorgung in der sozialen Sicherung. (aba, jsl)