Bytes without borders

Bekämpfung von Fehlverhalten im digitalen Zeitalter

Dezember 2019

Durch Abrechnungsbetrug gehen im Gesundheitswesen vieler großer Industrieländer durchschnittlich 6,49 Prozent der Gesamtausgaben verloren – jedes Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Mark Button von der Universität Portsmouth (UK) in seiner neuen Dunkelfeldstudie „The financial cost of healthcare fraud“. Würde man seine Erkenntnisse auf die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland anwenden, summierten sich die Verluste auf 17,16 Mrd. Euro. Auch wenn eine Übertragung nicht eins zu eins möglich ist, lassen solche Zahlen keine Zweifel daran, dass der Kampf gegen Betrug und Korruption für die Gesundheitssysteme in Deutschland, Europa und weltweit eine Herausforderung ist.

Vor diesem Hintergrund haben das Europäische Netzwerk gegen Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (EHFCN) und der GKV-Spitzenverband am 18. und 19. November 2019 zur gemeinsamen Konferenz „Bytes without borders – Preventing and Countering Fraud and Corruption in the Digital Age“ eingeladen. Rund 160 Vertreterinnen und Vertreter aus Krankenversicherungen, Politik, Wissenschaft, Staatsanwaltschaften und Datenanalyse diskutierten über neue Herausforderungen angesichts der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Gefahr des Datendiebstahls

Jim Gee, Experte für Cyberkriminalität, erläuterte, dass Betrug und andere Straftaten unter Ausnutzung der Informations- und Kommunikationstechnik heute fast die Hälfte aller Verbrechen im Vereinigten Königreich ausmachen. Dabei sei gerade das Gesundheitswesen attraktiv für Kriminelle: Leistungserbringer und Kostenträger verfügten über große Mengen an höchst sensiblen persönlichen Daten. Deren Verlust oder Veröffentlichung kann großen persönlichen Schaden für die Versicherten bedeuten, aber auch einen ruinösen Ansehensverlust etwa für Krankenhäuser und Krankenkassen. Werden Kriminelle dieser Daten habhaft, ist das Erpressungspotenzial enorm.

Das Veranstaltungsbild der Konferenz "Bytes without Borders"

Cyberkriminalität ist jedoch nicht die einzige Herausforderung im digitalen Zeitalter. In 15 Workshops wurden praxisnahe Beispiele vorgestellt, etwa wie in Deutschland Routinedaten gegen den Betrug mit Arzneimittelrezepten eingesetzt werden, wie in Australien maschinelles Lernen zur Betrugsbekämpfung genutzt wird oder wie die Belgier der Verschwendung im Gesundheitswesen durch Big Data Analysen zu Leibe rücken.

GKV-Spitzenverband fordert Hinweisgeberschutz

Im Fokus der internationalen Konferenz standen auch die Ergebnisse der Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen und beim GKV-Spitzenverband gemäß § 197a SGB V. Im letzten Berichtszeitraum sei die Anzahl der eingegangenen externen Hinweise zwar um 49 Prozent angestiegen. Aber viele Hinweise erfolgten leider nur anonym. „Wir brauchen endlich einen gesetzlichen Hinweisgeberschutz, damit mehr Menschen sich trauen, auch auf Missstände im Gesundheitswesen hinzuweisen“, so Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.

Den Bericht zu Arbeit und Ergebnissen der Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen beim GKV-Spitzenverband finden Sie hier, eine Zusammenfassung der Konferenz können Sie sich hier ansehen. (jei, sme)