Pflegeversicherung

Digitalisierung hilft Pflegebedürftigen

Oktober 2019

Wie können Digitalisierung und der Einsatz von Assistenztechnologien pflegebedürftige Menschen in ihrem Alltag stärken? Dieser hochaktuellen Frage widmet sich die Forschungsstelle Pflegeversicherung des GKV-Spitzenverbandes derzeit. Zu diesem Zweck wurde eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse im Rahmen einer Fachtagung am 11. September 2019 vorgestellt wurden. Unter dem Titel „Digitalisierung und Pflegebedürftigkeit – Nutzen und Potenziale von Assistenztechnologien“ leistet die Studie einen wichtigen Beitrag in der Beantwortung der Eingangsfrage und zeigt gleichzeitig, dass noch großer Forschungsbedarf auf diesem Gebiet besteht.

Das mit der Studie beauftragte Institut für Innovation und Technik (iit) untersuchte erstmals systematisch und umfassend den Nutzen von Assistenztechnologien für pflegebedürftige Menschen. Ausgangspunkt waren dabei nicht die Technologien selbst, sondern die Bedarfe pflegebedürftiger Menschen im Hinblick auf den Erhalt oder die Wiedergewinnung ihrer Selbstständigkeit und ihrer Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens. Die Bedarfe finden sich definiert im Begutachtungsinstrument zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit.

Positive Tendenzen erkennbar

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere für die Bereiche Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie für den Bereich soziale Kontakte bereits Assistenztechnologien vorhanden sind. Deren Entwicklung ist bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und es gibt Hinweise, dass sie einen Nutzen für pflegebedürftige Menschen darstellen. Dies sind beispielsweise spielebasierte Assistenztechnologien, die Pflegebedürftige dazu anregen, mittels Arm- und Körperbewegungen Videospiele zu steuern. Weitere Anwendungen kommen aus dem Bereich Robotik – z. B. Roboterassistenten, die Videokommunikation aufbauen und für Unterhaltung sorgen. Daneben bieten App-basierte Systeme Unterstützung bei Kommunikation, Erinnerung oder organisatorischen Tätigkeiten.

Weiterer Forschungsbedarf vorhanden

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, um belastbare Aussagen zur Wirkung und zum Nutzen von Assistenztechnologien für pflegebedürftige Menschen zu treffen. Bislang mangelt es an qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Studien, die hierzu aussagekräftige Wirksamkeitsbelege generieren. Zudem stehen die Erprobung und die Markteinführung bei einem Großteil der Assistenztechnologien in den untersuchten Studien noch aus. Die Fragen, wie Assistenztechnologien in bestehende Pflegeprozesse und soziale Strukturen integriert werden können, welche Geschäfts- und Finanzierungsmodelle geeignet sind, um die Technologien auf dem Markt zu etablieren und wer im Falle eines Schadens haftet, müssen noch beantwortet werden.

Impressionen von der Fachtagung

Die Forschungsstelle Pflegeversicherung wird dazu im Rahmen ihres Modellprogramms zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung einen neuen Themen- und Förderschwerpunkt „Digitalisierung für die Pflege“ einrichten.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Band 15 der Schriftenreihe des GKV-Spitzenverbandes zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung veröffentlicht. Der Band ist auch als Download verfügbar. (jwi)