Ambulante Versorgung

Welche Einsparmöglichkeiten? - Ambulant-sensitive Krankenhausfälle

Juni 2017

Ambulant-sensitive Krankenhausfälle (ASK) sind seit Jahren Thema von Forschung und Gesundheitspolitik. Dabei geht es nicht um die Verlagerung stationärer Fälle in die Arztpraxen, sondern um eine kritische Qualitätsbewertung der ambulanten Versorgung und um die Frage, ob Krankenhausfälle dadurch vermieden werden können.

Bereits 2015 hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aus einer Studie abgeleitet, dass 3,7 Millionen Krankenhausfälle vermeidbar seien und dies zu milliardenschweren Einsparungen führen könne (http://www.kbv.de/html/1150_18038.php). Diese Zahlen werden im aktuellen 8-Punkte-Programm der KBV „für eine moderne Gesundheitsversorgung in Deutschland“ wiederholt und angemerkt, dass diese Krankenhausfälle vermeidbar wären, da die Erkrankung der Patientinnen und Patienten auch ambulant behandelt werden könnte.

Vermeidbar ist nicht gleich ambulant behandelbar

Dieser Einschätzung zu vermeidbaren Fällen und deren Kosten liegt eine Fehlinterpretation des international etablierten Konzepts der ambulant-sensitiven Krankenhausfälle zugrunde. Denn dieses bedeutet, dass ein Krankenhausfall bei entsprechender ambulanter Behandlung hätte vermieden werden können, wenn die ambulante - d. h. in Deutschland überwiegend vertragsärztliche - Versorgung eine entsprechende Qualität gehabt hätte (bspw. bei der Behandlung von Herzinsuffizienz und Diabetes). Um die Beurteilung der Notwendigkeit der aktuellen stationären Behandlungen geht es gerade nicht.

Kritische Bewertung und Verbesserung der ambulanten Versorgung

Eine hohe Rate ambulant-sensitiver Krankenhausfälle weist auf Qualitätsdefizite im ambulanten Sektor hin, die insbesondere auch durch effektivere Behandlung und Verbesserung der kontinuierlichen Behandlung reduziert werden könnten. Es geht somit nicht um die Verlagerung stationärer Fälle in die Arztpraxis, sondern um einen kritischen Bewertungsansatz zur ambulanten Versorgungsqualität. Allerdings weisen wissenschaftliche Publikationen die Grundlage der KBV-Aussagen sind (Sundmacher et al. Health Policy. 2015 Nov; 119(11):1415-23; Sundmacher L. & Schüttig W. 2016. In: Klauber J., Geraedts M., Friedrich & Wasem (Hrsg.): 2016. Krankenhausreport 2016) zu Recht auf die Vorläufigkeit und Subjektivität der Abschätzungen hin und fordern weitere Studien. Es wird auch die Möglichkeit zurückgewiesen, Einsparpotenziale zu schätzen.

Eine verbesserte ambulante Versorgung, gerade durch Kooperation aller Beteiligten, anzustreben, ist sicher sinnvoll. Welche möglichen Einsparungen an welcher Stelle realistisch zu erwarten wären, lässt sich jedoch aufgrund der genannten Analysen nicht bewerten.