Patientenbefragung

Erstmalig Patienten-Befragungen zur Behandlungs-Qualität

Dezember 2019

Bisher gibt es in Deutschland keine Patientenbefragungen, die systematisch Qualitätsmerkmale von medizinischen Behandlungen erfragen – doch das soll sich in Zukunft ändern. Denn Patientinnen und Patienten haben eine Menge über die Qualität ihrer Behandlung in Krankenhäusern und Arztpraxen zu sagen.

So können sie anhand ihrer konkreten Beobachtungen und Erfahrungen die Behandlungssituation schildern und in einigen Bereichen sogar besser als die Behandelnden angeben, ob ein klinischer Behandlungserfolg, der z. B. anhand eines bildgebenden Verfahrens „objektiv“ belegt scheint, tatsächlich auch zu spürbaren Verbesserungen der Symptomatik geführt hat. Nur sie können zudem beurteilen, ob sie ihren individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechend bei der Festlegung der Behandlungsstrategie mitentscheiden durften, und ob hierfür überhaupt eine ausreichende Informationsgrundlage durch Ärztin bzw. Arzt gelegt wurde. Die Patientenperspektive kann also wertvolle Hinweise zur Indikations-, Prozess- und Ergebnisqualität der Behandlung liefern, wenn sie gezielt und auf wissenschaftlicher Basis in die Qualitätssicherung eingebunden wird.

Ein Arzt und eine Ärztein im Gespräch mit einem Patienten vor einer Ultraschalluntersuchung

G-BA beschließt Einführung von Befragungen

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entwickelt das wissenschaftliche und unabhängige Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) Patientenbefragungen, die die sektorübergreifenden und sektorspezifischen Qualitätssicherungsverfahren nach § 136a SGB V ergänzen sollen. Der G-BA hat hierzu am 22. November 2019 konkrete Festlegungen in der Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL) getroffen: Eine zentrale Versendestelle wird die Fragebögen an Patientinnen und Patienten senden. Das IQTIG wertet die Antworten dann anonym aus, und die Krankenhäuser veröffentlichen die Ergebnisse in ihren Qualitätsberichten. Arztpraxen und Krankenhäuser können individuelle Auswertungen auf Einrichtungsebene als Input für ihr internes Qualitätsmanagement nutzen. Nicht zuletzt sollen – wie bei allen anderen Qualitätsindikatoren in der Qualitätssicherung im medizinischen Bereich auch – Leistungserbringende mit auffällig schlechten Ergebnissen genauer unter die Lupe genommen und zur Verbesserung ihrer Qualität angehalten werden können.

Die erste themenbezogene Patientenbefragung wird ab Mitte 2021 das bereits bestehende kardiologische Qualitätssicherungsverfahren zur Koronarangiographie und Perkutanen Koronarintervention ergänzen. Sie adressiert also eine Zielgruppe von ca. 400.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr.

Weitere Befragungen sind derzeit zu den Themen ambulante Psychotherapie, Schizophrenie, Entlassmanagement, Dialyse und Nierentransplantation geplant. (dob)