Ambulante Versorgung

Ärzte-Sprechzeiten: teilweise zu wenig und nicht immer patientenfreundlich

März 2019

In Deutschland gab es noch nie so viele Ärztinnen und Ärzte, die für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung standen, wie derzeit. Dennoch warten viele Patientinnen und Patienten wochenlang auf einen fachärztlichen Termin. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz plant der Gesetzgeber nun, die Mindeststundenanzahl für Sprechzeiten von bisher 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen. Über diese Maßnahme wurde und wird viel diskutiert – ist sie tatsächlich notwendig?

Die Ergebnisse einer Forsa-Studie vom August 2018 zumindest legen den Schluss nahe, dass dem so ist. Die im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes unter 1.400 niedergelassenen Haus-, Kinder- und Fachärztinnen und -ärzten durchgeführte Umfrage zeigt zwar einerseits, dass diese im Schnitt 29 Stunden pro Woche Sprechzeit anbieten – und damit bereits heute mehr als die geplanten 25 Wochenstunden. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist aber andererseits, dass ein nicht unerheblicher Anteil weit unter diesen Zeiten bleibt: Insgesamt bieten 25 Prozent der befragten Einzelpraxen mit Vollzulassung weniger als 25 Sprechstunden (inklusive Hausbesuche) pro Woche an, acht Prozent sogar weniger als 20 Sprechstunden.

Praxen mit weniger als 20 bzw. 25 Sprechstunden pro Woche. Dargestellt werden die Zahlen für den hausärztlichen, kinderärztlichen, augenärztlichen, gynäkologischen, orthopädischen und den HNO-Bereich

Flexiblere Sprechstunden-Zeiten sind gefragt

Was die Umfrage auch zeigt: Mittwoch und Freitag hat am Nachmittag der Großteil der Arztpraxen geschlossen, Sprechstunden am Abend sind eher selten, am Samstag werden sie faktisch gar nicht angeboten. So haben mittwochs zwischen 14:00 und 17:00 Uhr 20 Prozent der Praxen Sprechstunden, freitags sogar weniger als 20 Prozent. Am Montag, Dienstag und Donnerstag bieten etwa 52, 53 bzw. 59 Prozent der befragten Praxen Sprechstunden nach 18 Uhr an. Zumindest rund jede zehnte Arztpraxis hat zwischen 19:00 und 20:00 Uhr Sprechstunde. Gerade am frühen Abend und an den Wochenenden muss sich also einiges in Richtung Patientenfreundlichkeit ändern.

Praxen mit Abendsprechstunden im Wochenüberblick. Dargestellt werden die Zahlen für die Zeiten ab 18:00, 19:00 und 20:00 Uhr.

Privatleistungen gehören nicht in die Mindestsprechstunden

99 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte gaben zudem an, während der Sprechstunden auch Privatversicherte zu behandeln. Das ist insbesondere dann kritisch zu sehen, wenn Praxen nur die Mindestsprechstundenzahl pro Woche anbieten. Nach Ansicht des GKV-Spitzenverbandes dürfen in dieser Zeit den gesetzlich Versicherten keine Privatleistungen verkauft oder Privatversicherte behandelt werden. Für private Zusatzgeschäfte müssen zusätzliche Termine und Sprechstunden angeboten werden. Damit es wirklich genug Sprechstunden gibt, muss künftig darüber hinaus stärker vorgegeben werden, was im Rahmen von Sprechzeiten möglich ist und was nicht. (cwi)