Pflegeversicherung

PLiP - ProblemLösen in der Pflegeberatung

Juni 2017

Pflegeberaterinnen und Pflegeberater sind in ihrer Tätigkeit mit unterschiedlichen Belastungssituationen konfrontiert. Das im Rahmen des Modellprogramms zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung nach § 8 Abs. 3 SGB XI geförderte Projekt PLiP hat vor diesem Hintergrund einen strukturierten Problemlöse-Ansatz in der Pflegeberatung erprobt. Die wissenschaftliche Begleitung (Dr. Klaus Pfeiffer, Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart) ergab eine deutliche Entlastung der Pflegeberaterinnen und -berater sowie eine signifikante Stressreduktion bei pflegenden Angehörigen.

Im Projekt wurden 48 Pflegeberaterinnen und –berater der AOK Baden-Württemberg, der AOK Bayern und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) an 38 Standorten in der Anwendung eines strukturierten Problemlöse-Ansatzes geschult, der dann in der Beratungspraxis eingesetzt wurde. Als Ratsuchende wurden nur Personen eingeschlossen, die hauptverantwortlich und nicht erwerbstätig eine pflegebedürftige Person oder zumindest eine Person mit eingeschränkter Alltagskompetenz im Sinne des SGB XI pflegten oder betreuten und eine erhöhte subjektive Pflegebelastung aufwiesen. Es nahmen 143 pflegende Angehörige an dem Projekt teil.

Die Wirksamkeit der Intervention wurde sowohl auf der Ebene der Pflegeberatenden als auch auf der Ebene der pflegenden Angehörigen wissenschaftlich geprüft. Es wurde ein clusterrandomisiertes Studiendesign eingesetzt: Die Pflegeberatenden wurden nach Standort randomisiert und einer Interventions- bzw. Wartekontrollgruppe zugeteilt. In beiden Gruppen wurden zu drei Zeitpunkten Fremd- und Selbstbewertungen der Beratungen erhoben und verglichen. Für jeden Pflegeberatenden wurden aufeinander folgend ratsuchende pflegende Angehörige in die Untersuchung eingeschlossen, mit denen vor Beginn der Beratung sowie drei und sechs Monate nach der Beratung telefonisch Assessments durchgeführt wurden, um ihre depressive Symptomatik, subjektiven Körperbeschwerden und ihre Einschätzung ihrer Pflegeleistung zu erheben. Die Ergebnisse der Assessments wurden durch Daten ergänzt, die in strukturierten Interviews mit einer bzw. einem pflegenden Angehörigen pro Pflegeberatendem erhoben wurden.

Positive Projekt-Bilanz

Im Ergebnis wird der Problemlöse-Ansatz von den Pflegeberaterinnen und –beratern positiv bewertet, er bewirkt eine signifikante Reduktion ihrer Arbeitsbelastung. Auch in der Zielgruppe der pflegenden Angehörigen zeigt der Ansatz deutliche Erfolge bei der Stressreduktion: Sowohl die depressive Symptomatik als auch körperliche Beschwerden der pflegenden Angehörigen gingen stark zurück. Die Pflegekassen, die am Projekt teilnahmen, schätzen den Problemlöse-Ansatz; sie werden ihre Pflegeberaterinnen und –berater darin schulen, um den Ansatz in allen Pflegeberatungen anwenden zu können.

Der Abschlussbericht des Projekts soll im Sommer 2017 in der Schriftenreihe Modellprogramm zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung erscheinen.